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Rezension von: Daniel Effer-Uhe / Alica Mohnert - Psychologie für Juristen

Nomos Verlag, 1. Auflage 2019, 214 Seiten, Softcover, 29 Euro, IBSN 978-3-8487-4629-3

Erschienen im Berliner Anwaltsblatt Juni 2020 - Artikel als PDF

9783848746293 psychologie fuer juristen

Der Jurist und Privatdozent Daniel Effer-Uhe und die Psychologin Alica Mohnert haben ab 2016 an diversen Universitäten die Veranstaltung „Psychologie für Juristen“ abgehalten. Es geht ihnen ausdrücklich mit diesem Buch um ein einführendes Werk, das für „Juristen als Generalisten von Interesse ist“. Es soll ein Buch sein, „das unter anderem schon praktizierende Juristinnen und Juristen vollständig lesen können und aus dem sie aus allen Kapiteln einen Mehrwert ziehen.“

Diesem Anspruch wird das Buch gerecht. Alle behandelten Themen sind von generellem Interesse (Spezialthemen werden ausgespart). Zunächst wird im ersten Kapitel beschrieben, worum es sich bei dem Fach Psychologie handelt und wie psychologische Forschung stattfindet; dann wird auf psychologische Datenbanken und Fachzeitschriften hingewiesen.

Im zweiten Kapitel wird das wichtige Thema der kognitiven Dissonanz behandelt. Im dritten Kapitel geht es um Urteilsverzerrungen, Urteilsheuristiken und Urteilsfehler. Dort werden für die forensische Praxis wichtige Erkenntnisse der Psychologie zu den Stichworten Verfügbarkeitsheuristik, Ankereffekt, statistische Denkfehler, Rückschaufehler, Hofeffekt, Darstellungseffekt, Bestätigungsfehler und Kompromisseffekt vorgestellt. In den nächsten beiden Kapiteln (den längsten im Buch) geht es um Wahrnehmen und Erinnern sowie Zeugenvernehmung und Beweiswürdigung. Hier wird auf gut 70 Seiten alles Wichtige dazu, wie wir Menschen wahrnehmen und erinnern, wie ein Zeuge/Beschuldigter vernommen werden sollte und wie Aussagen gewürdigt werden sollten, verhandelt. Ebenfalls zwei ganz wichtige Kapitel.

In den weiteren sechs Kapiteln geht es um Themen wie Motivation, Attribution, soziale Normen, soziale Rollen, sozialer Einfluss, Aggression, Beharren auf Diagnosen, Resilienz und posttraumatische Belastungsstörungen. In einem davon wird unter anderem darauf hingewiesen, dass bei der Strafzumessung viel zu häufig strafschärfend der Richter den Beschuldigten Persönlichkeitsfehler/-mängel attribuiert, anstatt auf die Situation zu sehen. Im zwölften Kapitel wird die Persuasion und Einstellungsänderung behandelt. Hier wird also mitgeteilt, wann überhaupt Einstellungsänderungen aus psychologischer Sicht möglich sind. Im dreizehnten Kapitel geht es um das Stichwort Verhandeln und in den letzten beiden Kapiteln um moralische Urteile und den freien Willen.

Ein ausführliches Literaturverzeichnis rundet das Buch ab. Alle Kapitel sind einfach und verständlich geschrieben. Die von der Psychologie herausgefundenen Mechanismen werden gut erklärt. Manchmal werden Hinweise für die praktische Handhabung durch berufstätige Juristen gegeben. Immer wird auf weiterführende Literatur verwiesen (auch am Ende dieses Artikels finden sich einige wenige Hinweise).

Beim Lesen dieses Buches wurde dem Verfasser des Artikels immer wieder vor Augen geführt, wie leicht wir als Menschen beeinflussbar sind und wie schnell wir zu Fehlschlüssen gelangen. Neben objektiven Fehlern (insbesondere in den Kapiteln Urteilsheuristiken und Zeugenvernehmung/Beweiswürdigung), die vor Gericht gerügt werden können, gibt das Buch aber auch viele Hinweise dafür, wie man im sogenannten „Soft-Skill-Bereich“ erfolgreich vorgehen kann (z. B. Ankereffekt und das Kapitel Verhandeln). Fazit: Alles in allem ein sehr gelungenes Buch mit wichtigen Erkenntnissen für unseren beruflichen Alltag.

Weiterführende Literatur

Ulrich Sommer: Effektive Strafverteidigung, 3. Auflage 2016 (ein Buch, das viele psychologische Erkenntnisse für die Strafverteidigung verarbeitet)

Rolf Bender, Armin Nack, Wolf-Dieter Treuer: Tatsachenfeststellung vor Gericht, 4. Auflage 2014 (die Bibel im deutschsprachigen Raum zu diesem Thema)

Andreas Geipel: Handbuch der Beweiswürdigung, 3. Auflage 2017 (ebenfalls ein Standardwerk zu diesem Thema)

Renate Volbert / Max Steller (Hrsg.): Handbuch der Rechtspsychologie, 1. Auflage 2008 (nach wie vor das Standardwerk)

Daniel Kahneman: Schnelles Denken, langsames Denken (das populärwissenschaftliche Sachbuch des Nobelpreisträgers für Wirtschaftswissenschaften mit vielen Hinweisen auf unsere Fehlschlüsse und Verzerrungen)

Sebastian Vogel: Psychologie im Ermittlungs- und im Zwischenverfahren, in: StraFo 2020, 223–230

Thomas Röth, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Miet- und Wohnungseigentumsrecht sowie Strafrecht, Mediator, Richter am Anwaltsgericht Berlin, Rechtsanwaltssozietät Liebert & Röth, www.liebert-roeth.de